Eine Erzählung aus Gaza

Aamals Familienhaus

Der Krieg nahm mir so vieles: Sicherheit, mein Zuhause, Kindheitsfreunde, die Wärme der Nächte, den Trost des Schlafes. Doch er schenkte mir etwas Unbezahlbares – ein tiefes Bewusstsein für das Leben selbst. Ich lernte, dass das Leben nicht das ist, was wir besitzen, sondern was wir im Herzen tragen, wenn alles andere verschwunden ist. Immer wenn ich Kinder zwischen den Ruinen spielen sehe, sehe ich mich selbst – lachend durch die Angst, träumend trotz der Belagerung. Mit unschuldiger Kraft bewahre ich, was andere auszulöschen versuchen. Ich lächle leise und flüstere: „Solange wir atmen, atmet unsere Heimat mit uns.“

Der Krieg ist noch längst nicht vorbei. Obwohl er auf dem Papier „beendet“ ist, lebt er weiter in mir. Ich wache auf vom Klang explodierender Erinnerungen, zähle die Namen der Verlorenen, baue mein Inneres neu – Stein für Stein, Erinnerung für Erinnerung. Und doch zerbreche ich nicht. Jeden Morgen trete ich hinaus, blicke zur Sonne, die über den Trümmern aufgeht, und sage mir: „Selbst das Licht wagt es, durch die Ruinen zu scheinen.“

Ich bezeichne mich nicht als tapfer, und ich verschweige meinen Schmerz nicht. Doch ich lebe – und das ist, für sich genommen, schon ein mutiger Akt. Ich atme durch den Staub, lächle durch die Vertreibung und flüstere der Welt: „Wir sind keine Zahlen in den Nachrichten. Wir sind Gesichter, die tausend Geschichten tragen.“

In meinen Augen lebt die Müdigkeit ganzer Generationen. Doch in meiner Stimme summt eine Melodie des Lebens, die sich weigert zu sterben. Wenn ich von Gaza spreche, spreche ich nicht als Opfer, sondern als Zeugin der Überlebenskunst. Vielleicht bin ich noch nicht geheilt. Vielleicht werde ich es lange nicht sein. Doch mein Herz kennt den Weg zum Licht. Ich gehe durch Straßen, die langsam wieder zum Leben erwachen, und sehe Kindern zu, wie sie einem Papierdrachen nachjagen. In diesem zerbrechlichen Drachen sehe ich ganz Gaza – gebunden an die Erde und doch fliegend.

Ich bin eine Tochter Gazas und eine Tochter jedes Traums, der sich weigert, unter Bomben zu sterben. Ich trage im Gesicht den Schmerz einer Stadt, im Herzen die Kraft ihres Meeres. Wenn man mich fragt, wie ich durchhalte, lächle ich und sage: „Ich halte nicht durch – ich lebe, weil ich das Leben liebe, selbst in seinen härtesten Prüfungen.“

Vielleicht schreibe ich eines Tages über Frieden statt Krieg, über Heimkehr statt Exil, über Freude statt Überleben. Bis dahin gehe ich weiter, langsam, über eine Erde schwer von Erinnerungen, auf der Suche nach einer Sonne, die niemals untergeht. Ich gehe im Glauben, dass Gott jene nie verlässt, die sich für das Leben entscheiden – mitten in den Ruinen.

In meinem Herzen steht ein kleines Haus aus Hoffnung – eins, das kein Krieg zerstören und keine Träne ertränken kann. Darin bewahre ich die Namen derer, die ich verloren habe. Ich hüte die Erinnerungen an jene, die überlebt haben. Ich beschütze das Versprechen des Wiederaufbaus – selbst wenn es nur mit einem Stein der Geduld und einem Hauch von Gebet geschieht.

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