{"id":2617,"date":"2025-10-27T18:18:06","date_gmt":"2025-10-27T18:18:06","guid":{"rendered":"https:\/\/kahlimamag.ch\/blog\/?p=2617"},"modified":"2025-11-05T08:21:44","modified_gmt":"2025-11-05T08:21:44","slug":"rumi-von-koerperlichen-grenzueberschreitungen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/kahlimamag.ch\/blog\/rumi-von-koerperlichen-grenzueberschreitungen\/","title":{"rendered":"Rumi &#8211; Von k\u00f6rperlichen grenz\u00fcberschreitungen"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><em><strong>\u201eWer bin ich, ohne die Dinge, die ich bisher gemacht habe? Habe ich mich selbst sabotiert?<\/strong><\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Wenn sie drei W\u00fcnsche freih\u00e4tte, w\u00e4re ihr erster Wunsch die Heilung ihrer Seele. Zu lange schon hatte sie sich selbst belogen \u2013 vielleicht war es nicht mehr als ein stummer, verzweifelter Ruf nach Rettung, die nie kam. Manchmal l\u00fcgt man sich nicht aus Naivit\u00e4t an, nicht aus Selbsthass, sondern weil die zerst\u00f6rerischen Muster so tief in einem festsitzen, als w\u00e4ren sie mit rostigen Ketten an das Innerste geschmiedet. Nur der richtige Schl\u00fcssel k\u00f6nnte sie l\u00f6sen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ihr zweiter Wunsch: die vollst\u00e4ndige Genesung ihres K\u00f6rpers. Die Jahre gingen nicht spurlos an ihr vorbei \u2013 im Gegenteil. Jede Ber\u00fchrung eines Mannes, gesp\u00fcrt an Stellen, die im Grunde nicht bereit waren, ber\u00fchrt zu werden, hinterliess Risse. Und Narben. Aus diesen Narben sickerte langsam ihre Kraft. Ja, sie h\u00e4tte Nein sagen sollen. Sie h\u00e4tte Nein sagen m\u00fcssen. Doch sie f\u00fchlte sich wie eine Marionette, gef\u00fchrt von unsichtbaren F\u00e4den. Blockiert. Fremdgesteuert. Zu oft gefangen in einer Schockstarre \u2013 und manchmal mit einem brennenden Verlangen nach Liebe und Anerkennung.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ihr dritter Wunsch w\u00e4re F\u00fclle, in all ihren Formen. Doch vor allem denkt sie dabei an ihre Tochter. Ihr w\u00fcrde sie gerne eine Million hinterlassen, damit sie frei wie ein Vogel sein k\u00f6nnte. Man sagt: Geld ist nicht alles. Wohl wahr, das stimmt. Aber manchmal ist Geld der Unterschied zwischen einem K\u00e4fig und der offenen T\u00fcr.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Als Rumi klein war, teilte sie ihr Zuhause mit \u00fcber hundert anderen Kindern, ihren Eltern und den drei Schwestern. Ihre Eltern f\u00fchrten ein Kinderheim. In diesem eng verwobenen Dorf, umgeben von Bergen und W\u00e4ldern, spielte das Heim eine zentrale Rolle. Kinder mit mittleren bis schweren Beeintr\u00e4chtigungen lebten dort, ebenso Verdingkinder.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Still und fast unsichtbar bewegte sich Rumi durch den Alltag \u2013 zwischen lauten Stimmen und wildem Treiben. Abends reihte sie sich in die Warteschlange ein, um ihre Z\u00e4hne zu putzen, um zur Toilette zu gehen. Beim gemeinsamen Essen war ihr Teller meist schon abgek\u00fchlt, wenn er endlich vor ihr stand. Sie f\u00fchlte sich unsichtbar. Fast so, als w\u00e4re sie ein leises Gespenst \u2013 eine Beobachterin ihres eigenen Lebens.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Sie betrachtete ihre Eltern \u2013 besonders ihre Mutter, die sich hingebungsvoll um die Kinder k\u00fcmmerte. Doch in den intimen Momenten der Familie griff sie, ausgelaugt, zur Flasche. Sie organisierte \u00fcppige Feste: Weihnachten, Ostern, besondere Anl\u00e4sse. Das Heim kam in den Genuss ihrer Aufopferung, w\u00e4hrend f\u00fcr die privaten Zeiten keine Energie mehr \u00fcbrigblieb. Oft lag sie tagelang im Bett. D\u00fcstere Stimmung. Alkoholfahne in der Luft. Die Welt draussen wusste nicht, was sich wirklich abspielte hinter der sonnigen Fassade.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Vielleicht wollte Rumis Mutter ihre eigene Kindheit heilen \u2013 jene Jahre ohne Mutter und Vater, die sie selbst in einer Pflegefamilie verbracht hatte. Dabei bemerkte sie nicht, dass ihre eigenen Kinder sich ebenso verlassen f\u00fchlten, wie sie es einst tat. Die Unsichtbarkeit, die sich in Rumis Wesen eingeschlichen hatte, blieb hartn\u00e4ckig. Sie wollte niemandem zur Last fallen. Einfach ein Kind sein, das gemocht wurde. Ihr Lehrer nutzte das schonungslos aus. Nach dem Unterricht bat er sie zu sich, setzte sie auf seinen Schoss, streichelte ihre Beine. Hier und da entglitt ihm eine Bemerkung, die einen faden Nachgeschmack hinterliess. \u201eWie du deinem Vater \u00e4hnlich siehst mit deinen Segelohren \u2013 echt verbl\u00fcffend\u201c, hatte er gesagt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die abf\u00e4lligen Kommentare h\u00e4uften sich. Die Ber\u00fchrungen h\u00f6rten nicht auf. Rumi verlor allm\u00e4hlich das Gef\u00fchl daf\u00fcr, was richtig und was falsch f\u00fcr sie war. Es schlich sich eine Regelm\u00e4ssigkeit in die Grenz\u00fcberschreitungen von Jungen und M\u00e4nnern in ihr Leben ein, als w\u00fcrde ihr schmaler, zerbrechlich wirkender K\u00f6rper eine stille Einladung aussprechen. In ihrer Erinnerung steigen Bilder auf: Ein Junge aus der Schule, der sie in der Toilette einsperrte und sie aufforderte, ihm ihre intimste Zone zu zeigen. Ein verwandter Junge, der sie gegen ihren Willen anfasste, um nur ein paar wenige Beispiele zu nennen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die pers\u00f6nlichen Alarmglocken, die ein gesundes K\u00f6rpergef\u00fchl mit sich bringen, verstummten, als sie erwachsen wurde. Aber etwas Einschneidendes hat sie durch ihren Lehrer gepr\u00e4gt: Durch ihren K\u00f6rper und ihre m\u00e4dchenhafte Zur\u00fcckhaltung bekam sie m\u00e4nnliche Aufmerksamkeit.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><em><strong>\u201eIch gebe meinen K\u00f6rper her, damit der Mann zufrieden ist. So bekomme ich meine Anerkennung und Liebe.\u201c<\/strong><\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Mit achtzehn wurde bei Rumi ein Herzfehler entdeckt. Als h\u00e4tte das Herz die Sprache ihrer Seele gesprochen \u2013 oder war es umgekehrt? Dieses buchst\u00e4bliche Loch im Herzen, was f\u00fcr eine perfekte Ironie, war wie eine Synchronisation mit ihrem Gef\u00fchlsleben. Sie hatte schon immer Schwierigkeiten, ihr Herz zu \u00f6ffnen. Als wollte sie es unbewusst nicht noch mehr zerreissen. Es folgte eine schwere Operation. Ein Schnitt in der Brustgegend. Ihr Herz wurde abgeh\u00e4ngt, geflickt und wieder eingesetzt. Sie erlebte einen kurzzeitigen Austritt aus dem irdischen Leben. Obwohl sie schlief, h\u00f6rte sie die Stimmen der \u00c4rzte. Wieder einmal ging es um ihren K\u00f6rper \u2013 abgewertet, kommentiert.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Mit dieser Narbe trat sie in ihre erste Beziehung. Eine neue Dimension der Grenz\u00fcberschreitung begann: emotionale Folter. Alles, was sie tat, wollte er kontrollieren \u2013 gleichzeitig stiess er sie mit verletzenden Worten von sich. Beim gemeinsamen Spazieren musste sie Abstand halten, ein paar Schritte hinter ihm bleiben. \u201eDu Kr\u00f6te, du Kr\u00f6te, du Kr\u00f6te\u201c \u2013 es hallte nach. Er versuchte mit aller Macht, sie kleinzuhalten. Doch mit der Hilfe ihrer Schwester schaffte sie es, nach acht Jahren auszubrechen. Rumi arbeitete als Kinderg\u00e4rtnerin, war T\u00e4nzerin, K\u00fcnstlerin \u2013 eine viel besch\u00e4ftigte Frau. Allm\u00e4hlich sp\u00fcrte sie, dass sie sich ihrem Innersten zuwenden musste. Die Spiritualit\u00e4t fand immer wieder den Weg zu ihr.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Und bevor sie den Vater ihrer Tochter kennenlernte, erlebte sie zum ersten Mal eine wertsch\u00e4tzende Verbindung. Es gab nur einen Haken: Dieser Mann war kaum anwesend. Alle Welt riet ihr, bei ihm zu bleiben. Ein angehender Architekt \u2013 ein Mann, der ihr Liebe zeigte und eine vielversprechende Zukunft voraussagte. Er war so perfekt. Sein Lebensstil vorbildlich. Ein naturverbundener Mensch, dem die Berge n\u00e4her standen als das Urbane. Goldene Locken \u00fcber der Stirn. Ein L\u00e4cheln, das W\u00e4rme verspr\u00fchte. Doch Rumi tat, was Rumi tun musste: Sie fl\u00fcchtete. Wenn man unerforschte Gew\u00e4sser betritt, kann es be\u00e4ngstigend sein. Es f\u00fchlt sich zwar gut an, aber nicht echt. Sie f\u00fchlte sich falsch an diesem Platz. Und eine tief eingravierte Familienkrankheit brach aus: Depression.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Rumi ging auf Reisen. Und fand sich unter der Bettdecke eines Wildfremden wieder. Sie verbrachte eine befreite Zeit im Ausland \u2013 und kehrte doch mit dem Gef\u00fchl der Unsichtbarkeit zur\u00fcck. Alles musste neu sortiert werden in Rumis Leben. Nach einer kurzen Zeit des Singledaseins trat ein neuer Mann in ihr Leben. Als h\u00e4tte sie ihn herbeigerufen, stand er pl\u00f6tzlich vor ihr: grossgewachsen, muskul\u00f6s, mit schmeichelnden Worten und einer mysteri\u00f6sen Ausstrahlung. Sie heirateten. Bekamen eine Tochter \u2013 Ava. Als Musiker war sein Leben wie er selbst: kreativ und wechselhaft. Schnell wurde klar, dass Rumi auch bei diesem Mann nicht das fand, was sie sich erhofft hatte: Wertsch\u00e4tzung. Einen sicheren Hafen. Sie arbeitete, k\u00fcmmerte sich um das Kind, nahm Benos st\u00e4ndige Abwesenheit stillschweigend hin.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Wie viele vor ihm war auch er ein Dieb ihres Seelenfriedens. Eines Tages erfuhr sie von Zwillingen, die ungef\u00e4hr zur gleichen Zeit geboren wurden wie Ava. Beno war der Vater der Zwillinge, wie sie zuf\u00e4llig erfuhr. Trotzdem blieb sie noch eine Weile bei ihm. Vielleicht aus Trotz. Vielleicht, weil sie ihrem Kind den Vater nicht nehmen wollte. Doch irgendwann wurde der Rucksack zu schwer. Eines Abends lag sie im Bett. Der K\u00f6rper zitterte. Ihr Herz drohte zu zerspringen. Aus dem Nebenraum drang Benos Stimme zu ihr. Er telefonierte mit der Mutter seiner anderen Kinder. Es klang vertraut. Die beiden lachten. Tauschten fl\u00fcsternd Geheimnisse aus. Rumi f\u00fchlte sich hilflos. Wie gerne h\u00e4tte sie rebelliert. Laut geschrien. Sich endlich gewehrt gegen den Schmerz und das respektlose Verhalten, das ihr immer wieder entgegengebracht wurde. Doch sie schaffte es nicht.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong><em>\u201eWir Frauen tragen alle diese B\u00fcrde in uns, die seit Jahrhunderten auf unseren Schultern lastet: Sei brav, sei angepasst, sei gef\u00fcgig. Ein wesentlicher Beitrag zur Heilung der tiefliegenden Muster in mir \u2013 und in uns allen \u2013 liegt in der Aufarbeitung der Ahnengeschichte.\u201c<\/em><\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ein halbes Jahr nach der Trennung ihrer Eltern wurde Ava krank. Eines Morgens erwachte sie mit gl\u00fchender Stirn. Schwer atmend lag dieses kleine M\u00e4dchen, gerade mal zwei Jahre alt, auf ihrer Matratze. Die Augen schwer. Die Glieder wie Blei. Rumi gab ihr ein Medikament. Der kleine K\u00f6rper begann zu zittern. Als die Kr\u00e4mpfe st\u00e4rker wurden, fuhr Rumi ins Krankenhaus. Als sie dort ankam, schloss Ava die Augen. Sie reagierte nicht mehr auf die Stimme ihrer Mutter. Ihr K\u00f6rper gl\u00fchte noch immer. Die \u00c4rzte verabreichten fiebersenkende Mittel und Valium gegen die Kr\u00e4mpfe. In dieser Nacht machte Rumi kein Auge zu. Ava zitterte. Sch\u00e4umte aus dem Mund. Doch jedes Mal, wenn Rumi die Krankenschwester rief, war sie wieder ruhig. \u201eMeine Tochter braucht Hilfe\u201c, flehte sie. \u201eBeruhigen Sie sich. Wir tun alles. Bisher hat sie keinen Krampf mehr gehabt. Sie wissen am besten, was Ihr Kind braucht. Kinder schlafen h\u00e4ufig, wenn sie Fieber haben.\u201c \u201eAber sie hat Kr\u00e4mpfe. Ihre Augen verdrehen sich. Ihr K\u00f6rper ist angespannt. Ich m\u00f6chte, dass Sie endlich herausfinden, was meinem Kind fehlt.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ein vertrautes, aber schmerzhaftes Gef\u00fchl stieg in ihr auf. Wieder f\u00fchlte sie sich unsichtbar. Zur\u00fcckgewiesen. Nicht ernst genommen. Sie musste sich f\u00fcr ihre Tochter einsetzen, wenn es sonst niemand tat. Sie bat die Krankenschwester, kein fiebersenkendes Mittel mehr zu verabreichen. Die Kr\u00e4mpfe h\u00f6rten auf. Ava zog sich immer tiefer in den Dornr\u00f6schenschlaf zur\u00fcck. Dann kam eine \u00c4rztin vorbei. Sie sah Ava. Reagierte sofort. \u201eDas kann doch nicht wahr sein!\u201c, sagte sie. \u201eDieses Kind muss sofort auf die Intensivstation!\u201c Eine Reihe von Untersuchungen folgte. Nach unz\u00e4hligen Fehldiagnosen wurde schliesslich die richtige gestellt: eine Entz\u00fcndung des Kleinhirns.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Als Ava nach langer Zeit endlich erwachte, blieb sie noch lange in einem Wachkoma. Sie konnte sich nicht mehr bewegen. Das Sprechen war ihr abhandengekommen. Damals war nicht sicher, ob sie all ihre F\u00e4higkeiten je zur\u00fcckerlangen w\u00fcrde. Heute ist sie eine gesunde, junge Frau geworden.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Viele Jahre sp\u00e4ter sehnte sich Rumi nach einem Neuanfang. Sie hatte viel an sich gearbeitet, war tief in ihr Seelenleben eingetaucht, hatte sich in therapeutischen Methoden ausbilden lassen \u2013 und wusste: Sie wollte ein neues Leben beginnen. Zusammen mit ihrem Kind. Sie zog in eine andere Stadt. Startete von vorn. Reset. Der Alltag forderte sie erneut heraus: alleinerziehende Mutter, Lehrerin, Schulden und Betreibungen im Nacken. Eine Ersch\u00f6pfung \u00fcberkam sie, saugte sie aus&nbsp;\u2013 liess sie schliesslich ausgebrannt zur\u00fcck.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">In dieser Zeit kam Tantra in ihr Leben. Man versprach ihr die T\u00fcr zum Tor ihrer Weiblichkeit. Einen Weg, Zugang zu ihren intimsten Empfindungen zu finden. Sie erhoffte sich Heilung in dem Bereich, mit dem sie ein Schamgef\u00fchl in Verbindung brachte.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Es bot sich eine Ausbildung an \u2013 nicht nur f\u00fcr sich selbst, sondern auch, um andere Menschen auf diesem Weg zu begleiten. Rumi wagte es, sich langsam wieder der Liebe zu \u00f6ffnen. \u00dcber Tinder lernte sie Paul kennen. Er war Fotograf und hatte ein eigenes Studio. Sie erz\u00e4hlte ihm von ihren Problemen und zeigte sich verletzlich. Paul zog kurz daraufhin bei Rumi und Ava ein. Er liess sich von ihr bedienen und pr\u00e4sentierte eine Version von sich, die es im Grunde gar nicht gab. Er lebte hinter seinen Erz\u00e4hlungen. Sp\u00e4ter fand Rumi heraus, wer Paul wirklich war: ein verurteilter Sexualstraft\u00e4ter. Angeklagt wegen \u00dcbergriffen auf Minderj\u00e4hrige. Als sie alles \u00fcber seine wahre Identit\u00e4t erfahren hatte, war sie gerade ausser Haus und schrieb ihm eine Nachricht, er solle bis um zwanzig Uhr seine Sachen gepackt haben und aus der Wohnung verschwunden sein.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Rumi suchte Trost in ihrer tantrischen Gemeinschaft. Doch auch dort sp\u00fcrte sie bald, dass etwas nicht stimmte. Ihr wurde klar: Die tantrische Philosophie im westlichen Kontext bewegt sich an der Grenze zum Missbrauch. Viele M\u00e4nner nutzen sie schamlos aus \u2013 subtil, f\u00fcr ihre pers\u00f6nliche Befriedigung. Rumi wandte sich auch von dieser Welt ab und blieb zur\u00fcck mit einem flauen Gef\u00fchl. Mit der Frage: Wie sehr hatte sie sich in der Vergangenheit zu wenig gesch\u00fctzt? Wie oft ihre innere Stimme stummgeschaltet?<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><em><strong>\u201eIch bin mit einem offenen Herzen geboren \u2013 physisch wie emotional. Dieses Herz hat so viel Liebe zu vergeben, so viel Platz. Gleichzeitig wurde es so oft gebrochen. Meine Seele hat sich diesen Weg ausgesucht. Ich musste durch diesen K\u00f6rper die Erfahrungen machen, um einen Teil meiner Familiengeschichte zu verstehen und Heilung in die Ahnengeschichte zu bringen.\u201c<\/strong><\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Heute k\u00e4mpft Rumi um ihre k\u00f6rperliche und psychische Gesundheit. Doch sie l\u00e4sst sich nicht unterkriegen. Im Gegenteil: Sie brennt daf\u00fcr, ihre gewonnene Weisheit mit Menschen zu teilen, die \u00c4hnliches erlebt haben. Und sie hat eine Vision: Dass sich das System \u2013 besonders f\u00fcr die Kleinsten \u2013 zum Positiven ver\u00e4ndert. Daf\u00fcr steht sie ein. Sie ist bereit, sich voll und ganz f\u00fcr ein gesundes Schulsystem einzusetzen \u2013 eines, das sowohl die Kinder als auch die Lehrpersonen gleichermassen tr\u00e4gt.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u201eWer bin ich, ohne die Dinge, die ich bisher gemacht habe? 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