{"id":2675,"date":"2025-11-19T10:08:34","date_gmt":"2025-11-19T10:08:34","guid":{"rendered":"https:\/\/kahlimamag.ch\/blog\/?p=2675"},"modified":"2025-12-13T21:35:46","modified_gmt":"2025-12-13T21:35:46","slug":"nativ-portrait-eines-kuenstlers","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/kahlimamag.ch\/blog\/nativ-portrait-eines-kuenstlers\/","title":{"rendered":"Nativ &#8211; portrait eines k\u00fcnstlers"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"has-text-align-center wp-block-paragraph\">                                                                                                                        <em>     <\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Luft hing dunstig wie ein feuchter Mantel \u00fcber der gr\u00fcnen Landschaft auf der Fahrt von Abidjan nach Yamoussoukro. Unterwegs hielten sie in Bassam, einer ehemals kolonialen Hafenstadt an der K\u00fcste des Landes. Eine Gruppe junger M\u00e4nner spielte auf ihren Djembes. Die vibrierenden Rhythmen lie\u00dfen Thierry nicht mehr los. Seine Augen weiteten sich, und er sog die Musik in sich auf.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Er war sieben Jahre alt, bald acht. Zum ersten Mal besuchte er das Land seines Vaters. Zum ersten Mal betrat er afrikanischen Boden, schnupperte die Luft, die anders roch, als er es bisher kannte. W\u00fcrziger, irgendwie. Lebendiger. Die Welt war ihm fremd, und doch f\u00fchlte er, dass ein Teil von ihm hierher geh\u00f6rte.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">In der Schweiz, im Dorf, in dem er aufwuchs, war sein Zuhause eine Andeutung von Anderssein. \u201eAnders\u201c \u2013 ein Wort, das ihn stets begleitete. Die W\u00e4nde in der Dreizimmerwohnung, in der er mit seiner Schwester und seiner Mutter die meiste Zeit seiner Kindheit verbrachte, waren bunter gestrichen als bei seinen Klassenkamerad:innen; mal gelb, mal pink. K\u00fcnstliche Tigerfiguren und Dschungelpflanzen dekorierten das Wohnzimmer.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Anders war auch das Gef\u00fchl seinem Vater gegen\u00fcber \u2013 anders, als er es bei seinen Freunden und Cousins wahrnahm. Wenn Papa anwesend war, erf\u00fcllte eine Anspannung den Raum. Eine Strenge, als s\u00e4\u00dfen die Geschwister im Klassenzimmer: sich zusammenrei\u00dfen, nicht st\u00f6ren, nicht sie selbst sein d\u00fcrfen. Erst wenn er weg war, wirbelten sie durch die R\u00e4ume, spielten, schauten ihre Fernsehsendungen, hatten Flausen im Kopf.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Doch auch hier, in Bassam, war seine Empfindung ungewohnt \u2013 als er die jungen Beine zum Takt der Trommel wippen lie\u00df und fragte, ob er auch einmal spielen d\u00fcrfe. Als h\u00e4tte er das schon immer getan, riss er die gesamte Aufmerksamkeit auf sich und h\u00e4mmerte rhythmisch auf die fell\u00fcberzogenen Instrumente. Alle waren begeistert; seine Mutter, sein Vater, seine Schwester, die Menschen rundherum. Thierry w\u00fcnschte sich ein eigenes Djembe. Von dem Moment an, als er eines bekam, trommelte er t\u00e4glich darauf \u2013 versunken, in seinem Element, als w\u00fcrde jeder Schlag ein St\u00fcck von ihm erz\u00e4hlen.<br>Doch nicht alle Eindr\u00fccke dieser Reise waren von Leichtigkeit gepr\u00e4gt. Ein paar Tage sp\u00e4ter besuchten sie Thierrys Onkel im Gef\u00e4ngnis. Die G\u00e4nge waren dunkel und eng, die W\u00e4nde feucht, der Geruch nach Schimmel lag schwer in der Luft. Gitterst\u00e4be trennten Welten. Dahinter streckten sich fremde H\u00e4nde aus \u2013 suchend, tastend, als wollten sie sich an etwas Lebendigem festhalten. \u201eBitte helft uns\u201c riefen die Gefangenen. Ihre Gesichter eingefallen, m\u00fcde und vom Leben verlassen. Sie, die Europ\u00e4er, hinterlie\u00dfen Eindruck in diesem Ort. Der siebenj\u00e4hrige Thierry sog die Bilder auf wie ein Schwamm. Angst kroch in ihn hinein. Faszination. Ein Same wurde gesetzt \u2013 f\u00fcr seine immerw\u00e4hrende Frage nach Gerechtigkeit. Die unterschiedlichen Realit\u00e4ten seiner beiden Herk\u00fcnfte pr\u00e4gten ihn tief. Seither war die Frage nach Identit\u00e4t keine beil\u00e4ufige, sondern eine zentrale.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-center wp-block-paragraph\"><strong>Wer war er \u2013 zwischen Bassam und Bern?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Er war ein unsicheres Kind. Der Kern dieser Unsicherheit war seine Identit\u00e4t. Wei\u00dfe Freunde, wei\u00dfe Familie \u2013 und ein schwarzer Vater. Ein Mann, der einst mit einem Koffer voller schwerer Steine in die Schweiz kam. Steine aus Schmerz, aus Ablehnung, aus K\u00e4mpfen, die niemand sah. Wie h\u00e4tte er einem kleinen Jungen Sicherheit geben k\u00f6nnen, wenn er selbst noch nach Halt suchte?<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Zuhause lebte Thierry mit einem unsichtbaren Geist. Er schwebte zwischen den R\u00e4umen, trug die Geschichte seiner afrikanischen Herkunft in sich \u2013 eine Geschichte, die selten ausgesprochen wurde, aber immer da war. Thierry f\u00fcrchtete dieses Erbe, weil er es nicht verstand. Und doch sp\u00fcrte er den Drang, es zu verteidigen.<br>Vor seinen Freunden, wenn sie beil\u00e4ufig das Wort \u201eNeger\u201c benutzten \u2013 nicht gegen ihn gerichtet, nur als Schimpfwort, das irgendwo h\u00e4ngen blieb. Vor seiner wei\u00dfen Verwandtschaft, wenn sie ihn in traditionelle Schweizer Kleidung steckten, weil er so \u201eherzig\u201c aussah im Sennenhemd, mit seinen krausen Haaren und seiner karamellfarbenen Haut. Nie aus b\u00f6ser Absicht \u2013 aber mit einem Blick, der ihn nicht ganz sah. Der ihn liebte, ohne zu fragen, wer er wirklich war.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Zur Trommel kam irgendwann ein Mikrofon hinzu, als Thierry \u00e4lter wurde. Das Kinderzimmer verwandelte sich in eine B\u00fchne, die W\u00e4nde wurden zum Publikum. \u201eWas geht ab, Leute!\u201c, rief er den Mauern zu und sah vor seinem inneren Auge eine jubelnde Menschenmenge. Slipknot, System of a Down \u2013 er imitierte harte Metalmusik, schrie, trommelte, tobte. Ein wohliges Gef\u00fchl durchstr\u00f6mte ihn. Die Trommelschl\u00e4ge und der Schreigesang drangen durch die Kinderzimmert\u00fcr ins Wohnzimmer, als wollten sie die Welt aufr\u00fctteln.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Sp\u00e4ter verst\u00e4rkten Musikboxen die Intensit\u00e4t seiner Zimmerauftritte. An freien Nachmittagen war er oft bei seinen Gro\u00dfeltern. Oma strickte, jeden Tag, sa\u00df dabei auf dem Sofa und lieh ihm ihre Stricknadel \u2013 ein improvisierter Trommelstock, mit dem er auf Opas gro\u00dfen Sitzball einh\u00e4mmerte. Der Wunsch nach einem echten Schlagzeug lie\u00df nicht lange auf sich warten. Zu Weihnachten war die Freude \u00fcberw\u00e4ltigend: ein Elektroschlagzeug, ganz f\u00fcr ihn allein.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Dann entdeckte Thierry seine Faszination f\u00fcr Rihanna. Er kaufte sich eine Konzert-DVD. Auf seinem Schlagzeug \u00fcbte er ihre gesamte Show ein. Sie wusste nichts davon, aber zwischen ausgedienten Kapplakl\u00f6tzen und dem l\u00e4ngst vergessenen gelben Teletubbie Lala sang sie in seinem Zimmer, begleitet von Kickdrum, Snare und Co. Ein Duett, das nur er h\u00f6rte. Ein Geheimnis zwischen ihm und der Musik.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-center wp-block-paragraph\"><strong>Lil Bow wow \u2013 Take ya home<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">An einem verregneten Sonntag sa\u00df Thierry vor dem Fernseher und schaute auf Viva die Charts. Er sog die Musikvideos auf wie ein Schwamm, doch bei manchen h\u00e4tte er am liebsten weitergedr\u00fcckt \u2013 sie ber\u00fchrten ihn nicht. In den fr\u00fchen 2000er-Jahren war das noch nicht m\u00f6glich. Dann erschien pl\u00f6tzlich ein junger K\u00fcnstler auf dem Bildschirm, ungef\u00e4hr in Thierrys Alter. Er strahlte Coolness aus, eine Nonchalance, bewegte seinen K\u00f6rper im Takt eines energiegeladenen Hip-Hop-Songs, der nach Aufbruch roch, nach Leichtigkeit. Thierry erkannte sich in ihm wieder: \u00e4hnliche Hautfarbe, gleiches Alter, derselbe Flow. Lil Bow Wow pr\u00e4sentierte \u201eTake Ya Home\u201c \u2013 und Thierry tauchte tief ein in diese neue Welt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Sein Musikhorizont weitete sich. Rap, Hip-Hop, Soul, Reggae \u2013 Musik, die Kultur trug, Tiefe und Geschichte. Die Melodie spielte weiter, selbst wenn MTV l\u00e4ngst ausgeschaltet war und die Boxen verstummt. Die Kl\u00e4nge in seinem Ohr wollten hinaus, wie ein angestauter Fluss, der endlich flie\u00dfen durfte. Also begann er, selbst zu singen \u2013 mit dem Singstar-Programm auf Mamas Computer. CDs wurden gebrannt, Beats heruntergeladen, Texte geschrieben.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Mit seinen Freunden teilte er die Leidenschaft f\u00fcr Musik \u2013 aber nicht nur das. Auch die Kultur, die H\u00e4rte, die Seele dahinter. Thierry wollte mehr. Er lernte neue Leute in Bern kennen, war viel unterwegs. Die ersten Partys. Zum ersten Mal Drogen. Die Welt war ein Abenteuer \u2013 und zugleich ein frustrierender Ort f\u00fcr Menschen, die ihren Platz suchten. F\u00fcr jene, die nach Gerechtigkeit und Freiheit strebten. Ausbildung, Pubert\u00e4t, Verpflichtungen, W\u00fcnsche, Tr\u00e4ume. Leben im Rausch. Eine Zeit voller H\u00f6henfl\u00fcge und Tiefschl\u00e4ge. Drogenkonsum. Grasverkauf. Begegnung mit der Polizei.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-center wp-block-paragraph\"><strong>Skizzen, die T\u00fcren \u00f6ffneten<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Thierry zeigte einem langj\u00e4hrigen Schulfreund einige seiner Skizzen \u2013 Texte, Ideen, alles, was er in seinem Zimmer notiert hatte. \u201eDas ist krass, ey!\u201c, sagte Tarik und zeigte sie seinen Freunden. Neue Verbindungen entstanden. Thierry lernte Questbeatz kennen, mit dem er bald darauf ins Studio ging, um einen Song aufzunehmen. Von da an verbrachte er viel Zeit im Studio \u2013 ein Raum, der nicht nur Klang formte, sondern auch Lebensstil. Thierry h\u00f6rte mit dem Kiffen auf und produzierte sein erstes Album: MVZ Vol.1. Weil sie denselben Freundeskreis hatten, lernte er dar\u00fcber auch seinen sp\u00e4teren Bandpartner Danilo (Dawill) kennen. Er lud ihn ins Studio ein, und weil es zwischen ihnen sofort funktionierte, landete ein gemeinsam produzierter Song auf dem Album.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das Studio, Bern und die Lorraine wurden zur Begegnungszone f\u00fcr K\u00fcnstler:innen. Es wurde diskutiert, getr\u00e4umt, weitergesponnen. Revolution\u00e4re Gedanken, konkrete Ideen. Ein Kollektiv entstand \u2013 ein Lebensgef\u00fchl, ein Akt der Rebellion gegen ein ungerechtes System: SOS. \u201eLasst uns Zeichen setzen, die Welt ver\u00e4ndern. Wir k\u00f6nnten bei H&amp;M anfangen \u2013 mit Schablonen und Farben unsere Initialen auf die Klamotten sprayen\u201c, schlug Nina vor, die damals Teil dieser aktivistischen Clique war. Die Aktion wurde nie durchgef\u00fchrt. Ziemlich schnell wurde klar: SOS wurde nur noch durch eine Brille betrachtet \u2013 die der Musik.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Als Thierry pl\u00f6tzlich die M\u00f6glichkeit bekam, seine musikalische Karriere in den USA voranzutreiben, kam die Frage auf, wie es weiterging. Alles lief gerade so gut. Warum wollte er weg? \u201eEs kann uns alle nur weiterbringen\u201c, sagte Thierry. Aber dann kam die Absage aus den USA \u2013 ein Gl\u00fcck. Von diesem Moment an schrieb SOS ein neues Kapitel.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Thierry und Danilo fanden sich von heute auf morgen zwischen kreischenden Fans und Jugendlichen wieder, die Selfies mit ihnen machen wollten. Sie wurden f\u00fcr Auftritte gebucht, ins Fernsehen eingeladen, gaben Interviews im Radio. Keine Zeit, um erwachsen zu werden. Keine Zeit, sich mit dem rasenden Tempo anzufreunden, das aus zwei Teenagern bekannte junge M\u00e4nner gemacht hatte. \u00dcberforderung. Zweifel. Eindr\u00fccke und Erlebnisse, die die meisten in ihrem Alter nie erleben w\u00fcrden. Komplimente und Kritik von allen Seiten. T\u00fcren, die sich \u00f6ffneten. Augenpaare, die beobachteten. War alles zu viel?<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Denn Thierry und Danilo wurde klar: Sie waren viel zu fr\u00fch mit Situationen konfrontiert worden, denen sie noch nicht gewachsen waren. Sie trennten sich. Jeder suchte seinen Platz in der Schweizer Musikindustrie.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><em>\u201eDawill ist ein gro\u00dfartiger K\u00fcnstler. Ein einzigartiger Mensch. Er geh\u00f6rt zu den authentischsten Menschen, die ich kenne. Die Zeit mit ihm war f\u00fcr mich unglaublich bereichernd. Aber wir waren zu jung und hatten nicht genug Zeit, gemeinsam herauszufinden, wer wir waren und was wir wollten. Alles ging so schnell. Wir mussten unseren Weg getrennt fortsetzen.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-center wp-block-paragraph\"><strong>Je heller das Licht, umso gr\u00f6sser wird auch der Schatten<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Wie viele K\u00fcnstler:innen im Rampenlicht erlebte Thierry, was es bedeutet, wenn nicht alle es gut mit einem meinen. Wenn sich T\u00fcren \u00f6ffnen \u2013 und hinter jeder auch eine Falle lauern kann. Wer sich zeigt, wer sein Leben \u00f6ffentlich macht, wird zum Magnet. F\u00fcr jene, die wirklich sehen. Und f\u00fcr jene, die ihre Projektionen und Urteile hineinwerfen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Und am schmerzhaftesten war die Erkenntnis, dass es manchmal gerade jene waren, die scheinbar dieselbe Weltsicht teilten wie er, die am wenigsten Raum f\u00fcr Weiterentwicklung lie\u00dfen. Die am schnellsten urteilten. Die am wenigsten verziehen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Es gab Zeiten, da fehlte die Kraft, sich abzugrenzen vom Au\u00dfen. Den Blick nach innen zu richten. Sich zu fragen: Schaffe ich das noch?<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Eine dunkle Wolke zog bei ihm ein. Sie lie\u00df sich nur schwer vertreiben. Nahm besonders dann viel Raum ein, wenn die Maske aufgesetzt werden musste: Performen. Liefern. L\u00e4cheln. Funktionieren. Erwartungen erf\u00fcllen. Das Leben wurde zum Marathon \u2013 ein Rennen gegen sich selbst, aber auch gegen die Angst zu versagen. Nicht genug getan zu haben. F\u00fcr die Welt. F\u00fcr die anderen. F\u00fcr sich.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Thierry wollte sich daran erinnern, dass es normal ist, Fehler zu machen. Mensch zu sein \u2013 mit all den Nuancen, all den Gef\u00fchlen. Dass Verletzlichkeit keine Schw\u00e4che ist, sondern eine St\u00e4rke, die gesch\u00fctzt werden darf.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Er zog sich zur\u00fcck. Ging auf Reisen. Suchte nach Antworten auf Fragen, f\u00fcr die ihm das Leben lange keine Zeit gelassen hatte. Lernte Menschen kennen, die ihn roh sahen: Ohne Erwartung. Ohne Urteil. Ohne Projektion.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Marrakech. Elfenbeink\u00fcste. Nigeria. Paris. Die Welt h\u00f6rte nicht dort auf, wo seine Glaubenss\u00e4tze Mauern gezogen hatten. Dahinter war mehr. Er wollte es herausfinden. Sp\u00fcren. Sich selbst verzeihen \u2013 den anderen auch. Niemand ist perfekt. Wir alle sind f\u00fcr inneres Wachstum geschaffen. Niemals stehen bleiben. Den Horizont erweitern.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Melodie in seinem Ohr wurde wieder lauter. Frischer. Sie wollte hinaus. Die Worte legten sich wie von selbst aufs Papier. Das Studio wurde zum Ort, an dem Br\u00fccken gebaut und Mauern gesprengt wurden. Neue Lieder entstanden. Thierry h\u00f6rte sie \u2013 immer und immer wieder.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Als er im Flugzeug sa\u00df, auf dem R\u00fcckflug von Nigeria, schlief er ein. In seinen Ohren: sein eigenes Album. Bilder tauchten auf \u2013 vom Markt in Lagos, wo ihn seine Begleiter umringten, die Hand an der Waffe, bereit, ihn zu sch\u00fctzen. Vor Kriminellen. Vor Angriffen. Er dachte an den Sonnenuntergang am Strand, an den salzigen Duft der Luft, die seine Lungen reinigte.<br>Die Songs pl\u00e4tscherten vor sich hin, wickelten ihn in einen wohligen Schlaf. Pl\u00f6tzlich sp\u00fcrte er eine Hand auf seiner Schulter.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">\u201eWach auf. Wir sind da. Wir sind zu Hause\u201c, sagte eine fremde Person.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Thierry \u00f6ffnete die Augen. Sah, wie das Flugzeug den Boden ber\u00fchrte. Der letzte Song auf seinem Album verklang, und verabschiedete sich mit einem einzigen Wort: <strong>Reset.<\/strong><\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"aligncenter size-large is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"681\" src=\"https:\/\/kahlimamag.ch\/blog\/wp-content\/uploads\/2025\/11\/Nativ_RESET_Pressfoto-6_by_Jojo-Schulmeister-1024x681.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-2678\" style=\"width:818px;height:auto\" srcset=\"https:\/\/kahlimamag.ch\/blog\/wp-content\/uploads\/2025\/11\/Nativ_RESET_Pressfoto-6_by_Jojo-Schulmeister-1024x681.jpg 1024w, https:\/\/kahlimamag.ch\/blog\/wp-content\/uploads\/2025\/11\/Nativ_RESET_Pressfoto-6_by_Jojo-Schulmeister-300x200.jpg 300w, https:\/\/kahlimamag.ch\/blog\/wp-content\/uploads\/2025\/11\/Nativ_RESET_Pressfoto-6_by_Jojo-Schulmeister-768x511.jpg 768w, https:\/\/kahlimamag.ch\/blog\/wp-content\/uploads\/2025\/11\/Nativ_RESET_Pressfoto-6_by_Jojo-Schulmeister-1536x1022.jpg 1536w, https:\/\/kahlimamag.ch\/blog\/wp-content\/uploads\/2025\/11\/Nativ_RESET_Pressfoto-6_by_Jojo-Schulmeister-2048x1363.jpg 2048w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><\/figure>\n<\/div>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Luft hing dunstig wie ein feuchter Mantel \u00fcber der gr\u00fcnen Landschaft auf der Fahrt&#8230;<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":2678,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_crdt_document":"","footnotes":""},"categories":[24],"tags":[30,32,31,33,34],"class_list":["post-2675","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-portraits","tag-kuenstler","tag-musiker","tag-nativ","tag-rapper","tag-schweiz"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/kahlimamag.ch\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2675","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/kahlimamag.ch\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/kahlimamag.ch\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/kahlimamag.ch\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/kahlimamag.ch\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=2675"}],"version-history":[{"count":5,"href":"https:\/\/kahlimamag.ch\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2675\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":2760,"href":"https:\/\/kahlimamag.ch\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2675\/revisions\/2760"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/kahlimamag.ch\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media\/2678"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/kahlimamag.ch\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=2675"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/kahlimamag.ch\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=2675"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/kahlimamag.ch\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=2675"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}