{"id":2715,"date":"2025-12-10T11:23:52","date_gmt":"2025-12-10T11:23:52","guid":{"rendered":"https:\/\/kahlimamag.ch\/blog\/?p=2715"},"modified":"2025-12-13T21:33:55","modified_gmt":"2025-12-13T21:33:55","slug":"zerbrochene-versprechen-und-der-mut-neu-zu-beginnen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/kahlimamag.ch\/blog\/zerbrochene-versprechen-und-der-mut-neu-zu-beginnen\/","title":{"rendered":"Zerbrochene Versprechen \u2013 und der Mut, neu zu beginnen"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Darius war mein erster richtiger Freund. Ich war verliebt, wollte ihn heiraten, sah in ihm den Vater meiner Kinder. Mit vierzehn f\u00fchrte mich mein Weg von Moldawien in die Schweiz. Nach dem Tod meines Onkels, bei dem ich meine Kindheit verbracht hatte, kam ich zu meiner Mutter. Doch zwischen uns herrschte Spannung, und bald zog ich in ein Jugendheim. Tags\u00fcber Schule, abends Freunde \u2013 so begegnete ich Darius. Wir zogen zusammen, tr\u00e4umten von einer gemeinsamen Zukunft.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Nat\u00fcrlich stritten wir, wie jedes Paar. Doch es gab diese Jungs, die ihn umgaben \u2013 Gestalten mit gekr\u00fcmmten R\u00fccken, grauen Gesichtern, nerv\u00f6sen H\u00e4nden. Einer klemmte sich die Zigarette hinter das Ohr, ein anderer lie\u00df die Hose so tief h\u00e4ngen, dass die Unterw\u00e4sche hervorblitzte, ein Dritter spuckte Worte wie Gift. Mir zog es jedes Mal den Magen zusammen, wenn sie auftauchten.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Dann fand ich Drogen in seiner Hosentasche. Er stritt es ab, beschuldigte mich der Kontrolle, seine Stimme wurde lauter, T\u00fcren knallten. Ein mulmiges Gef\u00fchl begleitete mich von da an, doch ich verdr\u00e4ngte es. Er war schlie\u00dflich der Mann, den ich heiraten wollte.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Vier Tage vor der Hochzeit eskalierte ein Streit. Darius packte mich an den Haaren, riss so heftig, dass er ein B\u00fcschel in der Hand hielt. Bis heute erinnert eine kahle Stelle an meinem Hinterkopf an diesen Moment. Ich redete mir ein, es sei ein Ausrutscher. Ich annullierte die Hochzeit, doch gab ihm eine zweite Chance. Etwas in mir war jedoch zerbrochen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Streits wurden heftiger. Einmal, im Auto, schlug er mir mit der Faust ins Gesicht. Wortlos stieg er aus, lie\u00df mich zur\u00fcck. Als ich ihn sp\u00e4ter nicht hereinlie\u00df, kam er mit der Polizei \u2013 stellte mich als hysterisch dar. Sein Zorn wuchs. Ich erinnere mich an die K\u00fcche: seine glasigen Augen, geballten F\u00e4uste, mein Messer in der Hand. Doch als seine Hand meinen Hals umklammerte, lie\u00df ich es fallen. Unser Sohn Daniel sa\u00df stumm in der Ecke. Darius warf mich zu Boden, trat auf mich ein. Er wirkte wie jemand anders. Wie ein wild gewordenes Tier. Unaufhaltsam. Sein Gesicht hochrot.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ich wusste: Es war vorbei. Ich bat um die Trennung. Zu meinem Gl\u00fcck ging er \u2013 \u00fcberzeugt, selbst das Opfer zu sein.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Daniel vermisste seinen Vater. Nachts weinte er, suchte N\u00e4he, und ich konnte ihm den Kontakt nicht verwehren. Also zogen wir in eine Wohnung \u00fcber der seiner Mutter \u2013 jeder mit einem Zimmer, Daniel zwischen uns.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Doch eines Tages \u00f6ffnete mir nicht Darius die T\u00fcr, sondern einer seiner Kumpel: Zigarette hinterm Ohr, mein Kind im Arm. Sie sperrten Daniel in Darius\u2019 Zimmer, w\u00e4hrend Darius mir ins Gesicht spuckte. Ich h\u00f6rte meinen Sohn schreien, sp\u00fcrte, wie mir die Luft wegblieb, wie eine lodernde Wut in mir aufstieg und mein Herz zu zerspringen drohte.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Da erschien Darius\u2019 Mutter, entsetzt: \u201eDas kannst du nicht machen, Darius! Denke an Daniel.\u201c Sie hatte unten die Stimmen und das Poltern geh\u00f6rt. F\u00fcr einen Moment wirkte sie best\u00fcrzt \u2013 doch ich wusste, bald w\u00fcrde sie ihn wieder tr\u00f6sten, ihn in Schutz nehmen, wie sie es immer tat.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ich schrieb meinem einzigen Freund, Tim. Er kam sofort, holte Daniel und mich ab und brachte uns ins Frauenhaus. Meine Sachen blieben zur\u00fcck, von Darius\u2019 Mutter verschlossen. Sie hatte das Schloss ausgewechselt. Ich hatte keine Kraft, darum zu k\u00e4mpfen \u2013 vielleicht war es genau das, was ich brauchte: einen klaren Schnitt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Im Frauenhaus bekamen Daniel und ich das N\u00f6tigste. Neue Kleider, ein Dach \u00fcber dem Kopf \u2013 alles, was wir zum \u00dcberleben brauchten. Und ein St\u00fcck W\u00fcrde zur\u00fcck.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Heute wei\u00df ich nicht, wie es weitergeht. Daniel sieht seinen Vater regelm\u00e4\u00dfig, er liebt ihn. Ich will neu beginnen: eine Wohnung finden, Sozialhilfe beantragen, einen Kitaplatz f\u00fcr Daniel finden. Ich tr\u00e4ume davon, wieder zu malen, meine Bilder auszustellen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Was mir bleibt, ist Hoffnung. Hoffnung auf eine stabile Zukunft, Freude an der Zeit mit meinem Sohn. Ich habe gelernt, nie aufzugeben. Ich bin stolz, weil ich schon so vieles \u00fcberstanden habe. Ich stehe immer wieder auf. Doch diesmal will ich mir Hilfe holen \u2013 um die Wunden zu heilen, f\u00fcr mich und f\u00fcr mein Kind.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Darius war mein erster richtiger Freund. 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