{"id":2849,"date":"2026-04-30T12:21:01","date_gmt":"2026-04-30T12:21:01","guid":{"rendered":"https:\/\/kahlimamag.ch\/blog\/?p=2849"},"modified":"2026-04-30T12:21:42","modified_gmt":"2026-04-30T12:21:42","slug":"puglia-von-matera-bis-bari","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/kahlimamag.ch\/blog\/puglia-von-matera-bis-bari\/","title":{"rendered":"Puglia &#8211; Von Matera bis Bari"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Eigentlich h\u00e4tte es eine Reise mit meiner Mutter und meinen Kindern werden sollen, doch am Ende wurde es ein Drei-Generationen-Trip. Mein Sohn, der unaufhaltsam in die Pubert\u00e4t schlittert, wollte n\u00e4mlich um alles in der Welt lieber ins Basketballcamp, als mit drei Frauen nach Apulien zu reisen. I mean\u2026 bin ich wirklich schon in dem Alter, in dem mein Mamasein sich Richtung Unabh\u00e4ngigkeit und Abl\u00f6sung bewegt? Ich bin noch nicht ganz so weit \u2013 mein grosses Kind hingegen schon. Und es f\u00fchlt sich an wie Schokolade mit Essiggurke: seltsam.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Pl\u00f6tzlich mache ich mir ernsthaft Gedanken \u00fcbers \u00c4lterwerden. Irgendwie weiss man ja immer, dass es passiert. Doch lange liegt diese Tatsache unter den Schichten des Alltags begraben, bis sich etwas ver\u00e4ndert. Die Kinder werden gr\u00f6sser, bewegen sich Richtung Erwachsensein. Und auf einmal ertappe ich mich dabei, wie ich meinen Kopf nach grauen Str\u00e4hnen abscanne.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Wie dem auch sei: Es bleibt beim ewigen Spiel aus Annehmen und Loslassen. Ein weiser Lehrer sagte einmal: <em>Es gibt nur eine Konstante im Leben \u2013 die Ver\u00e4nderung.<\/em> Als ich dar\u00fcber nachdachte, merkte ich, wie sch\u00f6n es eigentlich ist, dass mein gr\u00f6sseres Kind weiss, was es will und sich zutraut, eine Woche ohne uns zu verbringen. Ganz allein war er ja nicht \u2013 mein Freund k\u00fcmmerte sich um ihn. Und ich war gespannt auf unsere kleine Frauenreise.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Wir kamen abends in Bari an. Was uns sofort auffiel: Es gab kaum Taxis, die am Flughafen auf Ankommende warteten. Wir mussten regelrecht danach suchen. Nach langem Warten fuhr endlich ein Fahrer ein, der uns in einer einst\u00fcndigen Fahrt nach Matera brachte.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Eine Welt aus uralten Steingem\u00e4uern, H\u00f6hlenwohnungen, antiken Gassen und verwinkelten Pfaden tat sich vor uns auf. Unsere Unterkunft war ebenfalls eine H\u00f6hle, umfunktioniert zu einem modernen Appartement. Ein modriger Duft stieg uns entgegen, als wir mithilfe einer abwesenden Person, die uns per WhatsApp anleitete, die T\u00fcr \u00f6ffneten.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das Tiny-House in H\u00f6hlenform war elegant eingerichtet und verspr\u00fchte eine mystische Atmosph\u00e4re. Doch als die Dunkelheit einzog, schlichen sich abstruse Gedanken ein. Die einzige T\u00fcr war eine Glast\u00fcr, durch die Vorbeiziehende h\u00e4tten hineinschauen k\u00f6nnen. Davor befand sich eine massive Bunkert\u00fcr, allerdings ohne Schl\u00fcssel.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Als wir das Licht l\u00f6schten, stellte ich mir vor, wie uns die Besitzerin oder der Besitzer (wir erfuhren es nie) einschliesst und wir f\u00fcr immer in diesem Verliess gefangen bleiben. Am n\u00e4chsten Morgen, nur halbwegs ausgeschlafen, fand ich meine Fantasie l\u00e4cherlich.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Daf\u00fcr hatten wir es geschafft, ein kleines M\u00f6belst\u00fcck zu zerst\u00f6ren (wer es war, bleibt geheim). Nat\u00fcrlich nicht mutwillig, sondern aus Unachtsamkeit. Mir wurde trotzdem etwas schlecht. Wie w\u00fcrde die Person reagieren? Was w\u00fcrde es kosten? Zusammen mit der Glas- und der Bunkert\u00fcr bekam die wundersch\u00f6ne H\u00f6hlenwohnung pl\u00f6tzlich einen Gruselfaktor.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Wir entschieden uns, Matera zu verlassen und weiterzureisen. Zusammengefasst: Matera ist faszinierend \u2013 mit seinen Sassi, den historischen H\u00f6hlenvierteln aus Kalkstein. Ein Besuch lohnt sich. Bis in die 50er Jahre galt die Stadt als Schandfleck Italiens; die Menschen lebten in primitiven Verh\u00e4ltnissen, ohne Strom und fliessendes Wasser. In den 80ern wurde die labyrinthartige Stadt renoviert und geh\u00f6rt heute zum UNESCO-Weltkulturerbe. Sie diente bereits als Kulisse f\u00fcr Filme wie <em>The Passion of the Christ<\/em> und <em>James Bond \u2013 No Time to Die<\/em>.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-gallery has-nested-images columns-default is-cropped wp-block-gallery-1 is-layout-flex wp-block-gallery-is-layout-flex\">\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"768\" height=\"1024\" data-id=\"2860\" src=\"https:\/\/kahlimamag.ch\/blog\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/20260409_193425-768x1024-1.jpeg\" alt=\"\" class=\"wp-image-2860\" srcset=\"https:\/\/kahlimamag.ch\/blog\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/20260409_193425-768x1024-1.jpeg 768w, https:\/\/kahlimamag.ch\/blog\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/20260409_193425-225x300-1.jpeg 225w, https:\/\/kahlimamag.ch\/blog\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/20260409_193425-432x576-1.jpeg 432w, https:\/\/kahlimamag.ch\/blog\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/20260409_193425-1152x1536-1.jpeg 1152w, https:\/\/kahlimamag.ch\/blog\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/20260409_193425-1536x2048-1.jpeg 1536w, https:\/\/kahlimamag.ch\/blog\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/20260409_193425-576x768-1.jpeg 576w, https:\/\/kahlimamag.ch\/blog\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/20260409_193425-scaled-1.jpeg 1920w\" sizes=\"auto, (max-width: 768px) 100vw, 768px\" \/><\/figure>\n<\/figure>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Einmal mehr standen wir vor der Frage, wie wir ohne Auto von Matera nach Alberobello kommen sollten. Das \u00f6ffentliche Verkehrssystem Apuliens scheint nur etwas f\u00fcr absolute Kenner:innen zu sein. Weder Bus noch Taxistation waren auffindbar, obwohl Google Maps uns an einen Platz lotste, an dem angeblich beides existieren sollte. Stattdessen strandeten wir an einer Baustelle.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Uns blieb nur das Handy, und die Hoffnung auf einen Fahrer. Nach zehn Minuten hielt ein \u00e4lterer Mann, den wir zuvor kontaktiert hatten, an. Schon nach kurzer Zeit w\u00fcnschte ich mir, wir h\u00e4tten doch l\u00e4nger nach einem Bus gesucht. Der Fahrer f\u00fchlte sich offenbar als italienischer Michael Schumacher. Wo 50 km\/h angeschrieben war, raste er mit 150 durch alte D\u00f6rfer. Bei einem H\u00fcgelabschnitt glaubte ich sogar, das Auto hob kurz ab. Ich faltete die H\u00e4nde zum Gebet.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Dem Universum dankend, kamen wir nach einer Stunde lebend in Alberobello an. Ein historisches St\u00e4dtchen, in dem Menschen fr\u00fcher \u2013 und teilweise heute noch \u2013 in Trulli leben. Wer die Schl\u00fcmpfe kennt, weiss, wie niedlich Schlumpfhausen aussieht. Genau so, nur noch sch\u00f6ner, wirkt Alberobello: kleine Steinh\u00e4user mit D\u00e4chern wie Zwergh\u00fcte. Selbst die Kirche sieht so aus.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-full\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/kahlimamag.ch\/blog\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/20260412_201938.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-2862\"\/><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Wir \u00fcbernachteten in einem dieser Trulli. Ich f\u00fchlte mich wie Mama Schlumpf, denn in der oberen Etage konnte man sich nur geb\u00fcckt bewegen. Die Zimmer waren mit Vorh\u00e4ngen getrennt, der Holzboden knarrte bei jedem Schritt. Der Nachteil: Es war kalt. Wir hatten einen Regentag erwischt, und in den Steinmauern war es kaum w\u00e4rmer als draussen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Weiter ging es nach Monopoli \u2013 eine kleine, charmante Hafenstadt am Meer. Neben der \u00fcbersichtlichen Piazza gibt es unz\u00e4hlige verwinkelte G\u00e4sschen, durch die wir schlenderten und Kakteen fotografierten.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Wer Meeresfr\u00fcchte liebt, kommt hier auf seine Kosten. Besonders Oktopus wird \u00fcberall angepriesen. Seit ich aber weiss, dass diese Tiere neun Gehirne und drei Herzen haben \u2013 und die Weibchen, M\u00e4nnchen, die sie nicht m\u00f6gen, mit Muscheln bewerfen \u2013, finde ich Pulpo-Burger ziemlich traurig. Neun Hirne. Drei Herzen. Ein Bewusstsein f\u00fcr gesunde Beziehungen. Schon etwas Besonderes.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Nat\u00fcrlich gibt es auch viele andere K\u00f6stlichkeiten: Pizza, Pasta, Gelati an jeder Ecke. Kein Wunder, dass die italienische K\u00fcche die Welt erobert hat.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-full\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/kahlimamag.ch\/blog\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/20260413_144656.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-2863\"\/><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die letzte Etappe war Bari, von wo aus wir zur\u00fcckflogen. Den letzten Tag verbrachten wir in den verwinkelten Gassen der Altstadt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Apulien ist eine besondere Region. Ein Hauch Magie liegt in der Luft \u2013 besonders in Matera, das einen nachhaltigen Eindruck hinterl\u00e4sst. Die Menschen waren unglaublich freundlich. Selbst die mysteri\u00f6se Person, deren Interieur wir zerst\u00f6rt hatten, zeigte sich dankbar, obwohl wir zuerst schlimme Bef\u00fcrchtungen hatten. Zum Beispiel, dass nach uns gefahndet w\u00fcrde. Vielleicht half es ja, dass wir, bevor wir die H\u00f6hlenwohnung verliessen, etwas Geld hinterlassen haben &#8211; f\u00fcr die Renovierung. <\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Eigentlich h\u00e4tte es eine Reise mit meiner Mutter und meinen Kindern werden sollen, doch am&#8230;<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":2838,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[23],"tags":[],"class_list":["post-2849","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-reportagen-und-mehr"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/kahlimamag.ch\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2849","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/kahlimamag.ch\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/kahlimamag.ch\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/kahlimamag.ch\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/kahlimamag.ch\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=2849"}],"version-history":[{"count":7,"href":"https:\/\/kahlimamag.ch\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2849\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":2866,"href":"https:\/\/kahlimamag.ch\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2849\/revisions\/2866"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/kahlimamag.ch\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media\/2838"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/kahlimamag.ch\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=2849"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/kahlimamag.ch\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=2849"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/kahlimamag.ch\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=2849"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}